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Selbstoptimierung: Schneller, besser, gesünder?

Ob fitter werden, abnehmen oder achtsamer leben: In Zeiten von Smartphones gibt es unzählige digitale Helfer, die uns mehr Kontrolle über unser Leben versprechen. Sie unterstützen uns, wenn wir uns selbst optimieren wollen. Aber hat das wirklich nur Vorteile? Wanda wagt einen Selbstversuch – in einem Monat zum „perfekten Ich“. 

 

Smartwatches und andere Wearables liegen voll im Trend. Dazu gibt es unzählige Apps für Ernährung, Fitness, Zeitmanagement, Achtsamkeit und vieles mehr. Egal für welches Ziel: Die Tech-Branche scheint immer einen passenden Helfer parat zu haben, der uns dabei unterstützen soll, unser Selbst zu optimieren. Aber bringt das überhaupt was? Ich hab’s ausprobiert. Meine Ziele: Gesunde Ernährung, bessere Leistungen im Sport und regelmäßiges Meditieren – in nur einem Monat zu perfekten Gewohnheiten. Ob’s geklappt hat? Das verrate ich euch hier.

Aller Anfang ist – zeitfressend

Zugegeben: Meine Ziele waren von Anfang an sehr ambitioniert. Jeder von uns kennt ja diese Faustregeln à la „kleine Schritte machen“. Aber ausgestattet mit meiner Smartwatch und drei neuen Apps auf dem Handy, fühlte ich mich siegessicher. „Wird schon klappen“, dachte ich mir. Und unterschätzte direkt zu Beginn eins: den Zeitaufwand. Denn drei Apps – jeweils eine für das Tracking der Essensgewohnheiten, der sportlichen Aktivitäten und der Meditationen – pflegen sich nicht von alleine.

Der Fitnesstracker ist da noch am einfachsten. Aufwändig wird es vor allem beim Essen: Jeder Apfel muss einzeln in die Kalorien-App eingetragen, jede Mahlzeit ordentlich abgewogen werden. Das kostet am Anfang viel Zeit und Nerven. Da fiel es mir schon leichter, jeden Morgen eine Viertelstunde früher aufzustehen, um den Tag mit einer kleinen Meditation zu starten.

Das Ziel im Blick

Bei mir hat es etwa eine Woche gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe. Die Apps wurden zu meinem ständigen Begleiter – und ich habe mir auch gerne zwischendurch angeschaut, wo ich gerade stehe. Die meisten Apps haben ja tolle Visualisierungen der gesammelten Daten, sodass wir auf einen Blick sehen können, was wir noch verbessern können – und was wir schon sehr gut machen. Vor allem beim Sport hat mich das angespornt: Ich konnte schwarz auf weiß sehen, wie sich meine Zeiten beim Laufen oder Schwimmen verbessert haben – das motiviert natürlich total.

Aber auch bei der Ernährung hat mir die App einen guten Überblick geliefert. Das hatte zur Folge, dass ich mir abends zweimal überlegt habe, ob ich mir eine Pizza gönne oder doch lieber nur einen Salat mache. Das ist wirklich positiv an diesen digitalen Helfern: Du siehst, wo du stehst – und handelst überlegter.

App vs. Bauchgefühl

Und gleichzeitig ist das für mich auch der größte Nachteil: Ich habe festgestellt, dass oft die App für mich entscheidet. Wenn mich Freundinnen spontan gefragt haben, ob wir abends noch etwas Essen  gehen, habe ich mit Blick auf den Kalorienzähler manchmal dankend abgelehnt. Und selbst wenn ich mitgegangen bin, war ich teilweise mehr mit dem Eintragen von Lebensmitteln beschäftigt als mit unseren Gesprächen.

Gegen Ende meines Selbstversuches habe ich immer mehr gemerkt, wie fixiert ich auf meine digitalen Helfer bin. Klar, sie haben meine Disziplin auf die Probe gestellt und mir geholfen am Ball zu bleiben. Aber wollte ich wirklich eine Handy-App entscheiden lassen, wann ich was esse? Wann ich wie lange meditiere? Und ob ich an einem schlechten Tag trotzdem meine Zeit beim Laufen einhalten muss? Langsam kam das Gefühl in mir auf, dass ich keine freien Entscheidungen mehr treffe. Macht mich das wirklich zu einem glücklicheren Menschen?

Auf sich selbst achten

Meine Ziele habe ich in diesem Monat wirklich erreicht. Wer also in einem bestimmten Zeitraum ein konkretes Ziel verfolgt, profitiert absolut von den kleinen Coaches in der Hosentasche. Aber für mich gehört zum Leben einfach mehr dazu als eine gesunde Ernährung oder Bestzeiten beim Sport: Ich möchte spontan sein, Zeit mit Freunden genießen und mir auch mal einen „Cheat-Day“ eingestehen, wenn Kopf oder Körper förmlich danach schreien.

Mein Fazit: Es ist, wie so oft, eine Frage der Balance. Wer die Apps als grobe Orientierung nutzt, bekommt mit der Zeit sicher ein Gespür dafür, wie gesund der eigene Lebensstil ist. Aber es ist völlig okay, sich auch mal etwas zu gönnen – denn das Leben sollte ja nicht nur auf Statistiken aufbauen. Und sind wir mal ehrlich: Lieber weniger perfekt, aber dafür glücklich.

Eure Wanda

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