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Schicksalsschläge (Teil 2)

Wie unterstützt man Freunde und Bekannte, die einen Schicksalsschlag erlitten haben? Lies hier die Tipps unserer Expertin Dorothee Schröter.
 
Mitfühlen – was bedeutet das?
 
Mitfühlen bedeutet, dass du deine Freundin nicht alleine lässt in ihrer Verzweiflung. Du kannst nicht das Gleiche fühlen wie sie, aber du kannst ihr das Gefühl geben, dass sie nicht alleine ist. Hier ist es auch hilfreich, wenn du deine Betroffenheit zeigen kannst, wenn du ihr zeigen kannst, dass du diese Gefühle sehr schwer findest. Vielleicht hast du Ähnliches auch schon erlebt. Gib ihr den Raum, den sie braucht. Da du nicht in der gleichen Situation steckst, kannst du mitfühlen, ohne davon völlig überschwemmt zu werden. Du hast etwas mehr Abstand und kannst ruhiger bleiben.
 
Unterstützen – wie kann ich in einer solchen Situation unterstützen?
 
Zuallererst sagst du ihr, dass sie jederzeit auf deine Unterstützung bauen kann. Frage sie, was ihr helfen könnte. Sage ihr, dass sie in dieser Situation nur an sich denken soll und nicht an dich. Mir ist es ganz wichtig, dass du in dieser akuten Situation nicht ungefragt Ratschläge verteilst: Es gibt für solche Situationen keine guten Ratschläge. Eigentlich gibt es da nur Plattitüden, die von der Situation ablenken.
Auch wenn es sehr schwer ist: Versuche nicht von der Situation abzulenken, weil sie dir unangenehm ist. Stell dir die Gefühlslage deiner Freundin vor, ihr geht es viel schlechter und deshalb sind deine Gefühle gerade nicht die wichtigsten. Finde im Gespräch mit deiner Freundin heraus, was sie möchte. Versuche mit ihr gemeinsam herauszufinden, was ihr helfen könnte. Hier kannst du auch konkrete Vorschläge machen, vielleicht hast du schon Ähnliches erlebt und du berichtest ihr davon. Wenn sie sich Ablenkung von dir wünscht, dann ist das in Ordnung. Gib ihr das. Aber versuche in ihrem Interesse zu vermeiden, dass sie sich permanent ablenkt, denn dauerhafte Ablenkung ist Verdrängung und die ist in keinem Fall gut.
 
Ich fühle mich unsicher mit ihr zu sprechen, ist das schlimm?
 
Das ist nicht schlimm, sondern sehr menschlich. Aber es ist nicht richtig. Auch wenn du sehr unsicher bist, solltest du versuchen für deine Freundin da zu sein. Denn das macht Freundschaft aus: Füreinander da sein, auch wenn du dich selber unwohl fühlst. Drücke deine Unsicherheit aus, sage ihr, dass du nicht weißt, was du tun kannst. Sage, dass du immer da bist und ihr hilfst. Und dass sie vor dir kein Versteckspiel betreiben muss. Gib ihr einen Raum, in dem sie ihre Gefühle ausdrücken kann.
 
Wie kann ich sie unterstützen, wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll?
 
Manchmal sind Worte sowieso nicht hilfreich. Oft sagen Gesten viel mehr. Nimm sie in den Arm, wenn du nicht weißt, was du sagen sollst. Oft ist es bei schweren Situationen das Einzige, was du tun kannst. Umarmen, weinen lassen – zulassen. Was kannst du auch schon sagen, wenn etwas Schreckliches passiert ist. Es ist sehr wichtig, dass wir auch unsere schweren Gefühle rauslassen, denn Trauer, Verzweiflung und Schmerz wollen fließen. Es sind Gefühle, die da sind und nicht verdrängt werden dürfen. Verdrängung bedeutet immer Aufschieben. Irgendwann kommen sie doch zum Vorschein, und wenn zu viele schlimme Gefühle über einen längeren Zeitraum verdrängt wurden, ist das wie bei einem Stausee, der sich immer weiter füllt, bis die Mauer bricht und es zur Katastrophe kommt.
 
Wenn ich dich in einer ähnlichen Situation unterstützen kann, schreib mir persönlich in unserer Expertensprechstunde.

 

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