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Postpartale Depressionen

Hebamme Andrea Mikschl beschreibt, wie sich eine postpartale Depression äußert, welche Schritte zu tun sind und wo ihr Hilfe für euch oder euch nahestehende Frauen findet.

Ich habe mich doch so auf dich gefreut… Eigentlich lief auch alles wunderbar – du warst ein richtiges Wunschkind! Meine Schwangerschaft verlief komplikationslos, zwar war die Geburt auch anstrengend, aber gleichzeitig sehr schön und emotional. Am dritten Tag hatte ich dann den klassischen „Heultag“ mit dem Milcheinschuss. In den ersten Tagen zuhause hatte ich immer wieder Ängste und Tränen in den Augen – „Alles normal, das darf so sein“, wurde mir auch von mehreren Seiten bescheinigt. „Das ist der Baby Blues, das vergeht von alleine, in 14 Tagen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.“

Aber dann…

Aus meinen gelegentlichen Tränen sind Heulattacken geworden. Meinen normalen Tagesablauf schaffe ich schon lange nicht mehr, denn ich schlafe schlecht, obwohl ich müde bin. Außerdem fühle ich mich fremdgesteuert von diesem Baby, das ich eigentlich liebe, es aber nicht wirklich zum Ausdruck bringen kann. Diese überschwängliche Freude, die ich empfinden sollte, empfinde ich nicht und schäme mich dafür. „Mensch freu dich doch“ oder „Reiß dich mal zusammen“ höre ich, aber ich würde es so gerne tun, wenn ich könnte. Ich will keine schlechte Mutter sein, dennoch fühle ich keine Freude, sondern nur Überforderung, Schuldgefühle, Angst, Lustlosigkeit und Ablehnung – an diesem Punkt vertraue ich mich meiner Hebamme an!

Sprich mit deiner Hebamme!

Sie kommt und nimmt sich viel Zeit für mich und mein mittlerweile 3 Wochen altes Baby – und hier höre ich zum ersten Mal von einer postpartalen Depression – und, dass ich keine Schuld habe und nichts falsch gemacht habe. Sie sagt, dass es das einzig Richtige war, ihr Bescheid zu geben.

Gemeinsam mit meinem Mann besprechen wir das weitere Vorgehen. Zuerst der Gang zum Frauenarzt, der sich ebenfalls viel Zeit nimmt und den von der Hebamme geäußerten Verdacht bestätigt. Er vereinbart umgehend einen Termin für ein Vorstellungsgespräch bei einer Psychotherapeutin. Ich hatte Glück, schon nach einigen Wochen Psycho-/Gesprächstherapie ohne Medikamente, ohne stationären Aufenthalt und ohne die Trennung von meinem Kind geht es mir jetzt endlich besser und mein Strahlen kehrt wieder zurück. Und ich nehme endlich das große Glück wahr, das mich umgibt!

Leider kann es jede treffen

Das Wichtigste ist, dass sich die Wöchnerin einer Person anvertraut und diese weitere Schritte veranlasst. Es kann jede Frau treffen, besonders gefährdet sind allerdings Frauen, die schon problembeladen in der Schwangerschaft waren, Frauen nach traumatisierten Geburten, Frauen deren Kinder nach der Geburt wegen Krankheit oder Behinderung in die Kinderklinik kommen, die familiär durch Depressionen vorbelastet sind.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die postpartale Depression/postnatale Depression ist eine Erkrankung, die unbehandelt chronisch verlaufen kann und sich so verselbständigen kann, dass Suizidgedanken entstehen oder gar ein Suizid versucht wird. Auch kommt es unbehandelt zu schweren Störungen in der Mutter-Kind-Interaktion.

Es gibt viele verschiedene Therapien, wie z.B. eine Psychotherapie mit enger Betreuung und Gesprächen. Unterstützend zur Gesprächstherapie können auch Medikamente verabreicht werden oder auch ein stationärer Aufenthalt mit oder ohne Baby vorgeschlagen werden. Im Vordergrund steht immer die völlige Genesung der jungen Mutter und die Stabilisierung der Mutter-Kind-Beziehung. Behandelt ist die postpartale Depression heilbar und tritt nicht zwingend in einer weiteren Schwangerschaft erneut auf. Dennoch muss man in jedem weiteren Wochenbett ganz genau auf die Vorzeichen achten.  Bereits in der Schwangerschaft ist eine nahe Betreuung durch die Hebamme/den Therapeuten nötig und Präventivmaßnahmen müssen eingeleitet werden.

Was tun, wenn du als Außenstehende den Verdacht hast?

- Habe keine falsche Scham und schlage sofort Alarm: Sieh nicht weg, sondern reagiere beim geringsten Verdacht!

- Auf gar keinen Fall Vorwürfe machen

- Gib der jungen Mutter viel Zuwendung, nimm sie ernst und entlaste sie, wo du kannst.

- Sorge für Ruhe und schaffe Freiräume für sie, lass sie dabei jedoch nicht alleine

- Informiere die Hebamme, den Frauenarzt und/oder den Hausarzt und bitte aktiv um Hilfe

- Hier findest du ein sehr hilfreiches Infoblatt für Angehörige: http://www.schatten-und-licht.de/static_content/Dokumente/Angehoerigen_Info.pdf

- Auf der Seite www.schatten-und-licht.de findest du eine Liste mit Experten und Selbsthilfegruppen, sowie einen Selbsttest des Vereins

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