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Plötzlich lesbisch

Plötzlich lesbisch
 
Gerade ganz aktuell wird das Thema der gleichgeschlechtlichen Ehe diskutiert. In einigen Ländern ist die Ehe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen legalisiert worden, andere streiten sich weiterhin darum. Doch vor den drei liebevollen Worten „Ja, ich will“ stehen den meisten Frauen die drei viel schwierigeren „Ich bin lesbisch“ bevor. Unsere Autorin hat ihre beste Freundin gefragt: „Wie fühlt es sich an?
 
 

 

 
Durch dick und dünn
Meine beste Freundin kenne ich schon, seit ich fünf Jahre alt bin. Wir haben uns im Kinderturnen kennengelernt, sind auf dieselben Schulen gegangen und wohnen jetzt zwar nicht mehr in derselben Stadt, aber nah genug beieinander. Das heißt, wir haben auch unsere Pubertät zusammen erlebt. Wir waren beide in die beliebtesten Jungs verliebt, hatten unsere ersten Beziehungen und haben geschwärmt, geweint, aber vor allem viel gelacht.
Nach der Schule sind wir auf unterschiedliche Universitäten gegangen, haben uns aber oft gesehen und in der jeweiligen Stadt gefeiert und das Leben genossen. Eines Abends sitzen wir leicht angetrunken mit einem Wein auf dem Bett, ich erzähle von meiner nicht ganz einfachen Beziehung zu einem gut aussehenden, aber recht unkommunikativen Freund, da meint sie auf einmal „ich muss dir was sagen … ich mag Frauen“.
Zuerst wusste ich nicht, was ich sagen sollte. „Aber du hast doch …“, „Wieso jetzt …“, „Seit wann ...“ – mir fiel einfach kein Satz ein. „Ich wollte es dir schon länger sagen, aber ich wusste nicht wie“, meinte meine Freundin dann. Ich nahm erst mal einen großen Schluck Wein und sagte: „Ok“. Das erschien mir als einzig richtig. Nach ein paar Minuten hatte ich die erste Überraschung überwunden und fragte sie tatsächlich alles, was mir einfiel und sie schien darüber sehr froh zu sein.
Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Zug nach Hause und dachte noch viel über ihre Erzählungen nach. Sie hatte ein Mädchen auf der Uni kennengelernt und auch für sie war alles noch recht neu. Wird sich etwas ändern? Wird sie sich verändern? Nein. Ich denke daran, dass sie nicht plötzlich anders ist, nur weil sie sich mir mitgeteilt hat, sie ist und bleibt genau der Mensch, den ich kenne und so gern habe. Sie zeigte sich glücklich und das war und ist auch für mich die Hauptsache.
 
Wie kann ich für sie da sein?
Aber wir beide wissen auch, dass noch einige Herausforderungen auf sie zukommen werden. Natürlich möchte sie es ihrer Familie und weiteren Freunden erzählen – und einfach und unbeschwert ihr Leben genießen. Seit dem Tag, an dem sie es mir erzählte, ermutige ich sie immer kleine Schritte vorwärtszugehen und sich nicht zu verstecken. Und sie wird immer offener und steht zu sich und ihren Gefühlen. Ich finde es wunderschön das zu beobachten und werde immer für sie da sein.
 
Dies war eine Erfahrung, welche sind eure? Wollt ihr Freunde, die sich geoutet haben, unterstützen oder euch selbst Freunden und Familie anvertrauen? Unsere Expertinnen sind für euch da.

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