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Make up, make down

Ich schminke mich seitdem ich 14 bin. Mascara, Rouge, knallige Lippenstifte, zarte Töne. Mein Köfferchen gibt einiges her, und verwandelt mich in ganz unterschiedliche Frauen-Typen. Aber wer bin ich dabei? Bin ich schön ohne Make-up? Ich starte einen Selbstversuch – eine Woche ohne Make-up und Tralala. 

Abbildung Themenspecial
 
Grundsätzlich finde ich mich schön! Ich habe volle Lippen und eine spannende Augenfarbe. Einen schiefen Eckzahn und relativ weiße Zähne. Aber: Ich bin blond! Bedeutet: Helle Wimpern und Augenbrauen. Wenn ich mich nach manch stressigem Tag abschminke, schaut mich eine kleine, traurige Eule aus dem Spiegel an. Ja. So habe ich wirklich schon öfters über mich gedacht. Schlimm oder? Ich selbst habe MICH nicht schön gefühlt. Das passiert mir häufiger in letzter Zeit. Ich finde meine Freundinnen schön, mache ihnen Komplimente, bewundere diese Schauspielerin oder jenes Model. Und mir gegenüber bin ich die größte Kritikerin. Deshalb stand für mich fest, dass ich etwas ändern muss. Auf die radikale Tour. Sieben komplette Tage ohne Make-up. Einfach ich, mehr nicht. Ich kann euch jetzt schon sagen: Heute fühle ich mich schöner als vor dem Experiment!
 
Morgens 30 Minuten mehr Zeit – juhu, keine Schminke!
 
Der erste Tag. Kein Make-up. Kein Strich, kein Tusch, gar nichts. Ich stehe verschlafen im Bad und finde, dass ich heute ja auch einfach von zu Hause arbeiten könnte. Denkste! Auf geht es in die Welt, die geschminkte Welt. Kurz das Gesicht gewaschen, Tagescreme aufgetragen, Haare gekämmt. Fertig. In der S-Bahn habe ich das Gefühl, dass mich alle Menschen anstarren. „Oh Gott. Sie trägt kein Make-up“ – das denkt bestimmt jeder, so bilde ich mir ein. Ich fühle mich verunsichert und etwas ängstlich. Aufgrund der Zeitersparnis bin ich erstaunlich früh im Büro. Und bekomme gleich einen Schreck im verspiegelten Fahrstuhl. Ich möchte mich in Ruhe betrachten, da öffnet sich die Türe und meine Kollegin Claudia steht neben mir. „Mensch, Wanda. Du siehst echt müde aus! Ist alles ok?“ Ich schlucke. Fängt ja super an, mein Experiment. „Ja! Klar ist alles ok. Mir geht’s großartig, ich hatte ein echt schönes Wochenende.“ Verkrampftes Lächeln.  Sie nickt, wir steigen aus. Kaffee. Ganz viel Kaffee. In der Küche stürmt Nick auf mich zu. „Wanda. Also diese Präsentation… Ähm. Krass. Du hast so super grüne Augen. Sind die schon immer so grün? Das sieht super aus!“ Entkrampftes Lächeln. „Ja, das ist meine ganz normale Augenfarbe. Danke, Nick.“ Mein Herz macht einen kleinen Sprung. Und ich bin richtig stolz. Ein Kompliment, obwohl ich mich so unwohl fühle. Vielleicht hab ich gar keinen Grund, so unsicher zu sein? 
 
„Das geht auch ohne Make-up!“
 
Auch am zweiten Tag stand ich kritisch im Bad, war aber weniger unsicher und irgendwie auch ein bisschen gespannt, wie ich heute auf die Menschen um mich herum wirkte. Der dritte Tag. Easy! Am vierten Tag entschloss ich mich mit meinem neuen Selbstbewusstsein eine große Runde einkaufen zu gehen. Mein größter Feind: Das Licht in jeglichen Umkleiden. Dellen, Falten, Augenringe. Ich habe noch nie verstanden, warum manche Kabinen so grauenvoll ausgeleuchtet sind. Und nun die nackte Realität. Wanda ohne Make-up in der Umkleide. Meine Wahl: Ein super auffällig besticktes Abendkleid. Dazu würde ich mir selbst zu einem feierlichen Make-up raten. Aber ich will, dass ich mich auch ganz pur darin wohlfühle. Ich öffne also den Vorhang und trete vor den großen Spiegel im Kabinen-Flur. Drehe mich nach links, nach rechts. Betrachte mich. Der Vorhang gegenüber öffnet sich. Eine Frau meines Alters kommt heraus. Hübsch zurechtgemacht. Tolles Kleid, schöne Frau! Vor einigen Tagen hätte ich mich neben ihr unwohl gefühlt, aber jetzt bin ich selbstbewusst und fühle mich sicher. Unsere Blicke treffen sich. „Wow, ein sehr aufregendes Kleid!“, sage ich. Sie wartet einen Moment „Ach ja, finden Sie? Danke. Also ich finde Ihres ja fast noch schöner. Ich mag es, wie natürlich Sie es tragen. So ohne Make-up und den zusammengebundenen Haaren. Das macht Sie sehr edel.“ Ich drehe mich noch einmal und verschwinde dann schmunzelnd in der Umkleide, in der ich dann rot anlaufe. Vor Freude. Edel ohne Make-up. So hätte ich mich vor ein paar Tagen niemals eingeschätzt.  
 
Mein inneres Mantra: Du bist, wer du bist! Akzeptiere das. Bitte, liebes Ich.
 
Aber die Dame in der Umkleide hatte irgendwie Recht. Meine Haut sah frisch aus. Und irgendwie strahlte ich. Ich habe mich in der letzten Zeit noch viel mehr mit mir auseinandergesetzt als mit Make-up. Viel kritischer – aber auch viel gütiger. Jeden Abend habe ich mir selbst gesagt: „Wanda, du bist, wer du bist! Fühle dich schön, wie du bist. Akzeptiere dich. Dich gibt es nur einmal und das ist gut so!“ Dabei habe ich mir ganz fest in die Augen geschaut und mir diese Worte immer wieder im Kopf selbst diktiert. So, als ob ich einer Freundin einen Rat gebe. Du solltest das ausprobieren! Gar nicht unbedingt, indem du so lange auf etwas verzichtest. Aber versuche, dich öfter richtig wahrzunehmen. Ganz ohne Vergleich und ohne Kritik. Das ist schwierig und ich sage mir diesen Satz auch weiterhin jeden Abend. Aber ich merke, wie sich mein Selbstbild dadurch verändert und fühle mich gut!
 
Viel Freude beim Schönsein!
Liebe Grüße
Eure Wanda

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Kommentar von ShaRonDa

Wanda ich find dich toll! Bitte mehr von dir und deinem Leben

xoxo

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